Struktur des aussenhandels

Die ausländischen Direktinvestitionen in Kanada haben sich seit 1990 mehr als verdoppelt. Die Investitionen aus dem Ausland fließen zunehmend in wissensbasierte Industriezweige der Hightech-Produktion wie Elektronik, Kommunikation und Chemie. Die Motivation eines Teils dieser Investitionen liegt in einem der großzügigsten steuerlichen Anreize für F&E-Aufwendungen in der Welt. Die Ausfuhr von Waren und Dienstleistungen trug 2005 einen Anteil von 38 % zum BIP bei; auf diese Exporte entfiel ein geschätztes Drittel aller Arbeitsplätze in Kanada.

Die Economist Intelligence Unit, die Forschungsabteilung des britischen Wochenmagazins The Economist, hat Kanada für den Zeitraum von 2007 - 2017 in der Bewertung der Geschäftsbedingungen zur Nr. 1 unter den G7-Staaten und zur Nr. 3 weltweit erklärt. Diese Einstufung basiert auf der Tatsache, dass Kanada eine erstklassige Infrastruktur, ausgezeichnete Marktchancen und ein gesundes Geschäftsklima zu bieten hat.

Mitgliedschaften in Handels- und Wirtschaftsverbänden

  • Asiatisch-pazifische Wirtschaftsgemeinschaft (APEC)
  • Commonwealth
  • Gruppe der Acht (G8)
  • Internationaler Währungsfonds
  • Internationale Organisation der Frankophonie
  • Nordatlantikpakt-Organisation (NATO)
  • Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
  • Organisation amerikanischer Staaten
  • Vereinte Nationen (und ihre nachgeordneten Dienststellen)
  • Weltbank
  • Welthandelsorganisation

Marktzugänglichkeit

Nach Angaben der Weltbankengruppe ist Kanada in der OECD führend bei der Anzahl der für die Gründung eines Industrie- oder eines Handelsunternehmens erforderlichen Schritte (zwei) als auch bei der Länge des bis zum Abschluss einer Unternehmensgründung erforderlichen Zeitraums (drei Tage).

Handelssystem

Dank des North American Free Trade Agreement (NAFTA), des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens, verfügt Kanada über einen garantierten Zugang zum nordamerikanischen Markt und zu Mexiko - und somit zu 535 Millionen Menschen mit einem kombinierten BIP von mehr als 14,6 Billionen USD. Neben der Abschaffung von Zöllen steht NAFTA auch für Verfahren zur Erleichterung des Grenzverkehrs, den Transfer von Betriebspersonal, den Schutz von Investitionen und geistigem Eigentum und die Produktzertifizierung. Kanada hat das internationale Harmonisierte System zur Bezeichnung und Codierung von Waren des internationalen Handels eingeführt. Zwei Programme unterstützen Importeure bei der Wiedererlangung von unter gewissen Umständen gezahlten Zöllen: das Duty Drawbacks Program zur Zollrückerstattung und das Duty Relief Program zur Zollerleichterung. Weitere Informationen stehen über die Canada Border Services Agency ( CBSA), die kanadische Behörde für Grenzangelegenheiten, zur Verfügung. Importeure können auch Zollmakler als Vertreter mit der Abwicklung der Importe und aller Formalitäten mit der CBSA beauftragen.

Investitionssystem

Die zugelassenen Banken sind Eigentümer der größten Investmenthäuser, die auch als größte Emissionshäuser fungieren. Das Börsengeschehen ist in Kanada auf drei spezialisierte Wertpapierhandelsmärkte unterteilt. Der größte von ihnen ist die Börse Toronto, die Toronto Stock Exchange (TSX). Die Börse Montréal ist ausschließlich auf den Handel mit Derivaten spezialisiert. Anteile an Bergbauunternehmen und andere kleinere oder spekulative Emissionen werden generell an der TSX Venture Exchange gehandelt.

Kanadas Export Development Corporation (EDC) zur Exportförderung bietet kanadischen Exporteuren und ausländischen Investoren Handelsfinanzierungen und Risikomanagementleistungen, darunter auch Darlehen an ausländische Erwerber, Forderungsausfallversicherungen zum Schutz gegen Nichtzahlung und andere Arten von Finanzprodukten.

Handels- und Bankenwesen

Handel

Steigende Beschäftigungszahlen und niedrigere Steuern haben das Wachstum der Verbraucherausgaben angeregt. Statistics Canada, das statistische Bundesamt von Kanada, berichtete im Juni 2004, dass die realen Konsumausgaben von 2000 bis einschließlich 2003 um durchschnittlich 3,1 % und somit schneller als das durchschnittliche Wachstum des BIP von 2,3 % gestiegen sind. Der gesamte Einzelhandelsumsatz belief sich 2005 auf 368 Milliarden CAD, ein Anstieg von 4,7 % im Vergleich zu 2004. Auf den Kraftfahrzeugsektor, zu dem Neu- und Gebrauchtwagenhändler, Ersatzteilhändler und Tankstellen zählen, entfielen ungefähr 24 % des Gesamtumsatzes, gefolgt von Supermärkten mit 17 %.

Banken

Die Bank of Canada ist die kanadische Notenbank. Laut Moody's Financial Strength Ratings, den Finanzstärkeratings der internationalen Agentur Moody's, sind kanadische Banken im G7-Vergleich bei der Kreditwürdigkeit führend. Sechs große Banken sind auf dem Finanzdienstleistungssektor tonangebend: die Bank of Montreal, die National Bank of Canada, die Royal Bank, die ScotiaBank, die TD Bank und die CIBC. Alle diese Banken verfügen über Offshore-Niederlassungen oder -Tochterunternehmen. Neben den kanadischen Banken sind 70 ausländische Banken in Kanada tätig.

Zölle

Kanada verfügt über ein harmonisiertes Zollsystem. Der mittlere Zollsatz für sämtliche Waren wurde 2002 auf 1,1 Prozent festgesetzt. Der Warenhandel mit den USA und Mexiko unterliegt den NAFTA-Bedingungen, und 2004 wurden die meisten Zölle abgeschafft.

Zu den Waren, die Quoten oder Beschränkungen unterliegen und eine Einfuhrgenehmigung erfordern, gehören die folgenden: Textilien und Bekleidung, Rohstahl, landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Geflügel, Eier, Rind- und Kalbfleisch, Milchprodukte und einige Getreide.

Die Grenze zwischen Kanada und den USA

Der nordamerikanische Markt wird mit Hilfe eines gut integrierten Transportsystems bedient, das zu den besten der Welt gehört. Automatische Genehmigungsstationen, Transponder-Identifizierungssysteme und gemeinsame Abfertigungszentren werden zur Unterstützung eines einfachen Warenverkehrs getestet und in Betrieb genommen.

Die Programme FAST und NEXUS, die im Rahmen der Erklärung zwischen Kanada und den USA über einen „Intelligenten Grenzverkehr“ (Smart Border Declaration) aus dem Jahr 2001 entwickelt wurden, sorgen für einen weiterhin ungestörten Handels- und Investitionsfluss zwischen den beiden Ländern. Infolgedessen betragen die durchschnittlichen Wartezeiten an den Grenzübergängen heute weniger als 10 Minuten und zeugen somit von einem der effizientesten Systeme in der Welt.